Autoimmunerkrankung der Schilddrüse

Morbus Basedow

Beim Morbus Basedow regen körpereigene Antikörper die Schilddrüse zur vermehrten Hormonproduktion an. Dadurch entsteht eine Überfunktion; bei einem Teil der Betroffenen sind zusätzlich die Augen beteiligt.

Stoffwechsellage

Schilddrüsenüberfunktion

Typischer Marker

TSH-Rezeptor-Antikörper

Besonderheit

Mögliche Augenbeteiligung

Fehlsteuerung des Immunsystems

Warum die Schilddrüse zu viele Hormone bildet

Beim Morbus Basedow bildet das Immunsystem Antikörper gegen den TSH-Rezeptor der Schilddrüse. Diese sogenannten TSH-Rezeptor-Antikörper, kurz TRAK, wirken an der Schilddrüse wie ein dauerhaftes Anregungssignal.

Die Schilddrüse produziert dadurch zu viele Hormone und kann sich gleichmäßig vergrößern. Der beschleunigte Stoffwechsel beeinflusst unter anderem Herz, Kreislauf, Verdauung, Muskulatur, Schlaf und seelisches Befinden.

Wichtig: Beschwerden und Verlauf können sehr unterschiedlich sein. Symptome allein reichen nicht für die Diagnose; entscheidend ist die gemeinsame Beurteilung von Untersuchung, Labor und Ultraschall.

Morbus Basedow gehört wie die Hashimoto-Thyreoiditis zu den Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. Misch- und Übergangsformen sind möglich, weshalb Befunde immer im Zusammenhang betrachtet werden sollten.

01

Ursachen und Einflüsse

Warum Morbus Basedow bei einem bestimmten Menschen ausbricht, lässt sich meist nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückführen. Eine familiäre Veranlagung und weitere Autoimmunerkrankungen können eine Rolle spielen.

Rauchen ist besonders bei einer Augenbeteiligung ungünstig und kann deren Verlauf verschlechtern. Deshalb gehört das Rauchverhalten zur ärztlichen Einschätzung und Beratung.

02

Der Verlauf

Unter einer medikamentösen Behandlung kann sich die Erkrankung beruhigen. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Schilddrüsenfunktion nach dem Absetzen stabil; bei anderen tritt die Überfunktion erneut auf.

Ob dann eine erneute Medikamentenbehandlung, eine Radiojodtherapie oder eine Operation sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation und dem bisherigen Verlauf ab.

Beschwerden einordnen

Welche Symptome können auftreten?

Die Überfunktion beschleunigt viele Vorgänge im Körper. Nicht jede betroffene Person entwickelt alle Beschwerden, und die Stärke der Symptome sagt nicht zuverlässig aus, wie deutlich die Laborwerte verändert sind.

Überfunktion

Mögliche körperliche Beschwerden

  • Herzklopfen, schneller oder unregelmäßiger Puls
  • Nervosität, innere Unruhe und Zittern
  • Schlafstörungen und Erschöpfung
  • Vermehrtes Schwitzen und Wärmeunverträglichkeit
  • Gewichtsabnahme trotz normalen oder gesteigerten Appetits
  • Häufiger Stuhlgang oder Durchfall
  • Muskelschwäche und verminderte Belastbarkeit
  • Zyklusveränderungen oder Fruchtbarkeitsprobleme

Endokrine Orbitopathie

Mögliche Beschwerden an den Augen

  • Trockenheit, Brennen oder Fremdkörpergefühl
  • Tränen, Lichtempfindlichkeit oder Druckgefühl
  • Geschwollene Lider und gerötete Augen
  • Sichtbar hervortretende Augen
  • Doppelbilder oder eingeschränkte Augenbeweglichkeit
  • Selten eine Verminderung der Sehschärfe

Die Augenbeteiligung kann zeitlich unabhängig von der Überfunktion auftreten. Bei neuen Doppelbildern, deutlichen Schmerzen oder einer Verschlechterung des Sehens ist eine rasche augenärztliche Beurteilung wichtig.

Sorgfältig einordnen

Wie wird die Diagnose gestellt?

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Gespräch und Untersuchung

Wir erfassen Ihre Beschwerden, Medikamente, Vorerkrankungen und mögliche Schilddrüsen- oder Autoimmunerkrankungen in der Familie. Puls, Blutdruck, Schilddrüse und Augen werden gezielt beurteilt.

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Blutuntersuchung

Typisch sind ein erniedrigter TSH-Wert und erhöhte freie Schilddrüsenhormone. TSH-Rezeptor-Antikörper unterstützen die Diagnose und können auch für die Verlaufseinschätzung wichtig sein.

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Ultraschall

Die Sonographie zeigt Größe, Aufbau und Durchblutung der Schilddrüse. Bei unklaren Befunden können weitere Untersuchungen, beispielsweise eine Szintigraphie, erforderlich sein.

Wenn die Augen beteiligt sind

Bei Augenbeschwerden werden Aktivität und Ausprägung der endokrinen Orbitopathie gesondert beurteilt. Abhängig vom Befund ist eine gemeinsame Betreuung durch Schilddrüsenmedizin und Augenheilkunde sinnvoll.

Individuell entscheiden

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Wahl der Behandlung richtet sich unter anderem nach Alter, Ausprägung der Überfunktion, Schilddrüsengröße, Begleiterkrankungen, Augenbeteiligung, Kinderwunsch und persönlicher Präferenz.

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Schilddrüsenblockierende Medikamente

Thyreostatika hemmen die Bildung neuer Schilddrüsenhormone. Zu Beginn sind engmaschige Kontrollen notwendig; die Dosis wird anhand der freien Hormonwerte angepasst.

Vor Beginn und während der Behandlung werden mögliche Nebenwirkungen besprochen. Ungewöhnliche Beschwerden wie Fieber, Halsschmerzen, Gelbfärbung der Haut oder dunkler Urin sollten deshalb zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

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Radiojodtherapie

Radioaktives Jod wird von Schilddrüsenzellen aufgenommen und vermindert deren Aktivität. Die Behandlung erfolgt in Deutschland stationär und führt häufig im weiteren Verlauf zu einer Unterfunktion, die mit Schilddrüsenhormon behandelt wird.

Eine Schwangerschaft und Stillzeit schließen die Radiojodtherapie aus. Bei einer aktiven Augenbeteiligung muss besonders sorgfältig abgewogen werden.

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Operation

Bei einer Operation wird die Schilddrüse nahezu vollständig entfernt. Sie kann beispielsweise bei einer großen Schilddrüse, verdächtigen Knoten, bestimmten Begleiterkrankungen oder dem Wunsch nach einer raschen endgültigen Behandlung sinnvoll sein.

Nach dem Eingriff ist eine dauerhafte Einnahme von Schilddrüsenhormon erforderlich. Nutzen und Operationsrisiken werden vorab ausführlich besprochen.

Begleitende Behandlung: Medikamente wie Betablocker können vorübergehend Herzklopfen, Zittern und innere Unruhe lindern. Sie behandeln jedoch nicht die Ursache der Erkrankung und werden individuell verordnet.

Langfristig begleiten

Kontrollen und besondere Situationen

Regelmäßige Verlaufskontrollen

Laborwerte, Beschwerden und Medikamente werden zunächst engmaschig, später in größeren Abständen kontrolliert. Auch nach Radiojodtherapie oder Operation bleiben Kontrollen wichtig, damit eine Unterfunktion rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Augen und Rauchstopp

Bei einer endokrinen Orbitopathie werden Augenbefunde und Schilddrüsenwerte gemeinsam betrachtet. Ein Rauchstopp ist besonders wichtig, weil Rauchen mit einem ungünstigeren Verlauf der Augenbeteiligung verbunden ist.

Kinderwunsch und Schwangerschaft

Bei Kinderwunsch sollte die Behandlung frühzeitig geplant werden. In der Schwangerschaft sind engmaschige Kontrollen und eine sorgfältig abgestimmte Medikamentendosis besonders wichtig; eine Radiojodtherapie ist in dieser Zeit nicht möglich.

Persönliche Einordnung

Sie möchten Beschwerden, Laborwerte oder Befunde besprechen?

Wir betrachten Ihre Schilddrüsenwerte, den Ultraschallbefund und Ihre persönliche Situation gemeinsam.