Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schilddrüse und Schwangerschaft

Eine stabile Schilddrüsenfunktion ist bereits bei Kinderwunsch und während der gesamten Schwangerschaft wichtig. Frühzeitige Kontrollen ermöglichen es, eine bestehende Behandlung rechtzeitig an die veränderten Anforderungen anzupassen.

Schwangere Frau formt mit den Händen ein Herz vor ihrem Bauch

Guter Zeitpunkt

Bereits bei Kinderwunsch

Kontrollen

Regelmäßig und individuell

Ziel

Stabile Hormonversorgung

Gut vorbereitet starten

Schilddrüsenwerte schon bei Kinderwunsch prüfen

Schilddrüsenhormone beeinflussen Zyklus, Fruchtbarkeit und die frühe Entwicklung des Kindes. Eine bekannte Schilddrüsenerkrankung sollte deshalb möglichst vor einer Schwangerschaft stabil eingestellt sein.

Wir betrachten TSH und freie Schilddrüsenhormone im Zusammenhang mit Diagnose, Beschwerden, Antikörpern, Medikamenten und bisherigen Schwangerschaftsverläufen. Der passende Zielbereich ist von der individuellen Situation abhängig.

Bei positivem Schwangerschaftstest: Wenn bereits eine Schilddrüsenerkrankung bekannt ist oder Schilddrüsenmedikamente eingenommen werden, sollte die behandelnde Praxis frühzeitig informiert werden. Die Dosis bitte nicht selbstständig verändern oder absetzen.

Auch eine frühere Radiojodtherapie oder Schilddrüsenoperation sowie ein zurückliegender Morbus Basedow bleiben für die Schwangerschaft wichtig, selbst wenn die aktuellen Werte unauffällig sind.

01

Vorbefunde sammeln

Laborwerte, Ultraschallberichte, Operationsunterlagen und Angaben zu bisherigen Behandlungen erleichtern die sichere Planung.

02

Medikamente prüfen

Einige Schilddrüsenmedikamente können unverändert weitergeführt werden, andere erfordern eine besonders sorgfältige Auswahl oder Anpassung.

03

Kontrollplan festlegen

Kontrollabstände richten sich nach Erkrankung, Therapie, Schwangerschaftswoche und Stabilität der bisherigen Werte.

Neue Anforderungen

Was verändert sich in der Schwangerschaft?

Hormonelle Veränderungen beeinflussen die Schilddrüse bereits in den ersten Schwangerschaftswochen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen und Jod. Laborwerte werden deshalb anhand schwangerschaftsspezifischer Referenzbereiche beurteilt.

Frühe Entwicklung

Zu Beginn der Schwangerschaft ist das Kind auf eine ausreichende mütterliche Schilddrüsenhormonversorgung angewiesen. Deshalb ist eine ausgeprägte Unter- oder Überfunktion sorgfältig zu behandeln.

Veränderte Laborwerte

TSH und freie Hormone können sich im Verlauf der Schwangerschaft verändern. Ein einzelner Wert sollte daher nicht ohne Schwangerschaftswoche und klinischen Zusammenhang bewertet werden.

Regelmäßige Anpassung

Bei bestehender Therapie können Dosisanpassungen notwendig werden. Nach jeder Änderung wird der weitere Kontrollzeitpunkt individuell vereinbart.

Unterschiedlich behandeln

Unterfunktion, Hashimoto und Morbus Basedow

Unterfunktion und Hashimoto

Schilddrüsenhormon bedarfsgerecht anpassen

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird in der Schwangerschaft mit Levothyroxin behandelt. Das Medikament ersetzt das körpereigene Hormon und wird in der Regel weiter eingenommen. Der Bedarf kann während der Schwangerschaft ansteigen.

Bei bekannter Hashimoto-Thyreoiditis oder Einnahme von Schilddrüsenhormon sollten die Werte früh kontrolliert werden. Dosisänderungen erfolgen anhand von Laborbefunden und ärztlicher Empfehlung.

Überfunktion und Morbus Basedow

Engmaschig und gemeinsam betreuen

Eine ausgeprägte Überfunktion muss auch in der Schwangerschaft behandelt werden. Wenn schilddrüsenhemmende Medikamente erforderlich sind, werden Wirkstoff und Dosis besonders sorgfältig ausgewählt und kontrolliert.

Beim Morbus Basedow können TSH-Rezeptor-Antikörper über die Plazenta auf das Kind wirken. Deshalb können zusätzliche Antikörpermessungen sowie geburtshilfliche Kontrollen sinnvoll sein. Eine Radiojodtherapie ist während Schwangerschaft und Stillzeit ausgeschlossen.

Schilddrüsenknoten in der Schwangerschaft

Ein Ultraschall ist auch während der Schwangerschaft möglich. Ob bei einem Schilddrüsenknoten weitere Schritte notwendig sind, richtet sich nach Beschwerden und Ultraschallmerkmalen. Viele Befunde können ohne Zeitdruck kontrolliert und nach der Geburt weiter abgeklärt werden.

Sicher versorgt

Jod, Nahrungsergänzung und Medikamente

01

Jodversorgung abstimmen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Schwangeren zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung üblicherweise 100 bis 150 µg Jod täglich. Bei einer Schilddrüsenerkrankung sollte die Einnahme vorher ärztlich abgestimmt werden.

02

Hoch dosiertes Jod vermeiden

Algenprodukte können stark schwankende und teilweise sehr hohe Jodmengen enthalten. Sie eignen sich deshalb nicht zur verlässlichen Jodversorgung in der Schwangerschaft.

03

Einnahme richtig organisieren

Eisen- und Calciumpräparate können die Aufnahme von Levothyroxin beeinflussen. Welche Einnahmeabstände für Ihre Präparate gelten, sollte mit der behandelnden Praxis oder Apotheke geklärt werden.

Grundregel: Schilddrüsenmedikamente, Jod und Nahrungsergänzungsmittel nicht eigenständig beginnen, absetzen oder umstellen. In der Schwangerschaft sollte jede Änderung nachvollziehbar abgestimmt werden.

Auch danach aufmerksam bleiben

Schilddrüse nach der Geburt und in der Stillzeit

Medikation erneut prüfen

Nach der Geburt verändert sich der Hormonbedarf erneut. Deshalb wird besprochen, ob die Dosis angepasst werden sollte und wann die nächste Laborkontrolle erfolgt.

Postpartale Thyreoiditis

In den Monaten nach der Geburt kann eine vorübergehende Schilddrüsenentzündung mit einer Phase der Über- und später der Unterfunktion auftreten. Beschwerden können leicht mit der allgemeinen Belastung nach der Geburt verwechselt werden.

Stillzeit berücksichtigen

Viele notwendige Schilddrüsenbehandlungen sind auch in der Stillzeit möglich. Wirkstoff, Dosis und Kontrollplan werden individuell abgestimmt; eine Radiojodtherapie ist in der Stillzeit nicht möglich.

Persönliche Begleitung

Sie planen eine Schwangerschaft oder sind bereits schwanger?

Wir prüfen Ihre Schilddrüsenwerte, besprechen Medikamente und Nahrungsergänzung und planen die passenden Kontrollen.