Schilddrüsenhormone im Gleichgewicht

Schilddrüsenunterfunktion und Schilddrüsenüberfunktion

Hormonwerte im Zusammenhang betrachten und eine passende Therapie sorgfältig planen und kontrollieren.

Unterfunktion

Zu wenig

Schilddrüsenhormone

Gegenüberstellung von Schilddrüsenunterfunktion und Schilddrüsenüberfunktion

Überfunktion

Zu viel

Schilddrüsenhormone

Einordnung

Zusammenhang

Beschwerden, Labor und Ultraschall

Zwei Richtungen – ähnliche Alltagsbeschwerden

Typische Beschwerden im Vergleich

Schilddrüsenhormone beeinflussen Stoffwechsel, Herz, Kreislauf, Verdauung, Muskulatur und psychisches Befinden. Einzelne Beschwerden beweisen deshalb weder eine Unter- noch eine Überfunktion.

Unterfunktion · Hypothyreose

Der Stoffwechsel wird langsamer

  • Müdigkeit und Antriebsmangel
  • Frieren und Kälteempfindlichkeit
  • trockene Haut und Haarausfall
  • Verstopfung
  • Gewichtszunahme
  • langsamer Puls
  • Konzentrations- oder Stimmungsschwankungen

Überfunktion · Hyperthyreose

Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren

  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Schwitzen und Wärmeempfindlichkeit
  • Gewichtsverlust trotz Appetit
  • Zittern und innere Unruhe
  • Schlafstörungen und Gereiztheit
  • häufigerer Stuhlgang oder Durchfall
  • Muskelschwäche und Erschöpfung

Entscheidend ist die Kombination: Beschwerden, zeitlicher Verlauf, Medikamente und Laborwerte müssen zusammenpassen. Auch andere Erkrankungen können ähnliche Symptome auslösen.

Nicht jeder auffällige Wert hat dieselbe Ursache

Häufige Ursachen

Ursachen einer Unterfunktion

  • Hashimoto-Thyreoiditis als häufige autoimmune Ursache
  • Zustand nach Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie
  • bestimmte Medikamente
  • selten ausgeprägter Jodmangel
  • selten Störungen von Hirnanhangsdrüse oder Hypothalamus

Ursachen einer Überfunktion

  • Morbus Basedow als häufige autoimmune Ursache
  • autonomes Schilddrüsengewebe, oft in Schilddrüsenknoten
  • vorübergehende Hormonfreisetzung bei einer Entzündung
  • zu hoch dosierte Schilddrüsenhormone
  • Jodbelastung, etwa durch bestimmte Medikamente oder Kontrastmittel

Schrittweise einordnen

Wie die Diagnose gestellt wird

Ein einzelner TSH-Wert ist ein wichtiger Ausgangspunkt, aber nicht immer die vollständige Diagnose. Je nach Situation werden weitere Laborwerte und bildgebende Untersuchungen ergänzt.

01

Gespräch und Untersuchung

Beschwerden, Verlauf, Vorerkrankungen, Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Puls und Schilddrüsenbefund werden gemeinsam betrachtet.

02

Schilddrüsenwerte

TSH wird je nach Befund durch freies T4 und freies T3 ergänzt. Verlaufskontrollen können zeigen, ob eine Abweichung vorübergehend oder dauerhaft ist.

03

Antikörper

TPO-Antikörper können die Diagnose Hashimoto stützen; TSH-Rezeptor-Antikörper helfen bei Verdacht auf Morbus Basedow. Antikörperwerte werden gezielt und nicht isoliert beurteilt.

04

Ultraschall und weitere Diagnostik

Der Ultraschall zeigt Größe und Struktur der Schilddrüse sowie Knoten. Bei einer Überfunktion kann eine Szintigrafie klären, welches Gewebe zu viele Hormone bildet.

Ursache und Lebenssituation berücksichtigen

Behandlung

Unterfunktion

Fehlendes Hormon ersetzen

Eine behandlungsbedürftige Unterfunktion wird in der Regel mit Levothyroxin behandelt. Dosis und Zielbereich richten sich unter anderem nach Ursache, Alter, Begleiterkrankungen und Lebenssituation. Die Einnahme sollte möglichst gleichmäßig erfolgen; Abstand zu bestimmten Nahrungsmitteln, Mineralstoffen und Medikamenten kann wichtig sein.

Leicht erhöhte TSH-Werte bedeuten nicht automatisch, dass sofort behandelt werden muss. Wiederholungsmessung und Gesamtsituation sind besonders bei geringen Abweichungen wichtig.

Überfunktion

Hormonbildung bremsen oder Ursache behandeln

Thyreostatika hemmen die Hormonbildung. Je nach Ursache, Verlauf, Schilddrüsengröße und Begleiterkrankungen können später eine Radiojodtherapie oder Operation infrage kommen. Beschwerden wie Herzrasen können vorübergehend zusätzlich behandelt werden.

Bei einer entzündungsbedingten Freisetzung gespeicherter Hormone ist die Behandlung anders als bei einer gesteigerten Neubildung. Deshalb muss die Ursache vor einer dauerhaften Therapie geklärt sein.

Bitte Medikamente nicht eigenständig verändern: Sowohl eine Unter- als auch eine Überdosierung kann Herz, Kreislauf, Knochen und Wohlbefinden belasten.

Stabil einstellen und Veränderungen erkennen

Verlaufskontrollen

Nach Dosisänderungen

Laborwerte werden mit ausreichendem Abstand erneut bestimmt, weil sich ein neues Gleichgewicht erst über mehrere Wochen entwickelt.

Bei neuen Medikamenten

Magenschutzmittel, Eisen, Calcium, Hormone und weitere Präparate können Aufnahme oder Bedarf beeinflussen. Änderungen sollten bei der Kontrolle angegeben werden.

In besonderen Lebensphasen

Bei Kinderwunsch und Schwangerschaft, deutlicher Gewichtsveränderung oder neuen Herzbeschwerden kann eine frühere Kontrolle erforderlich sein.

Wann rasche Hilfe wichtig ist

Warnzeichen

Zeitnah ärztlich abklären

  • neu aufgetretenes anhaltendes Herzrasen
  • deutliche Leistungsminderung oder Luftnot
  • neue Herzrhythmusstörungen
  • ausgeprägte Schwäche oder Kreislaufprobleme
  • rasch zunehmende Augenbeschwerden bei Morbus Basedow

Im Notfall

Hohes Fieber, starkes Herzrasen, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen oder Kreislaufversagen bei bekannter oder möglicher Überfunktion können Zeichen einer seltenen thyreotoxischen Krise sein.

Bei lebensbedrohlichen Beschwerden: Notruf 112.

Medizinische Grundlage

Quellen und weiterführende Informationen

Stand der medizinischen Prüfung: August 2026. Die Informationen ersetzen keine persönliche ärztliche Untersuchung und Beratung.

Persönliche Einordnung

Sind Ihre Werte auffällig oder passen Beschwerden und Labor nicht zusammen?

In der Sprechstunde werden Vorbefunde, Medikamente, Laborwerte und Ultraschall gemeinsam beurteilt.